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Neue Perspektiven für PatientInnen
Hier finden Sie Informationen über die neuen Perspektiven, welche Physiotherapie in Ihr Leben bringen kann und einige Geschichten von Patientinnen, die dank Physiotherapie neue Perspektiven gefunden haben.

Mehr als Rücken kneten

Auf einem Hometrainer trimmt sich ein Velofahrer, und das auch noch auf der falschen Strassenseite. Kunstprojekt? Werbegag? Nein, die neue Plakataktion des regionalen Physiotherapieverbands physiobern.

Unter dem Motto «Neue Perspektiven mit Physiotherapie» trat physiobern mehrmals in unterschiedlicher Form an die Öffentlichkeit. Es geht darum den Beruf ins Gespräch bringen und mit Klischees aufräumen. Etwa jenem, dass Physiotherapie-Schaffende lediglich Rücken kneten. Der Gang an die Öffentlichkeit hat auch einen politischen Hintergrund: Die Branche hat im Gesundheitswesen einen schweren Stand. «Wir kämpfen seit über zehn Jahren erfolglos für einen höheren Taxpunktwert», sagt Gregor Christen, Präsident von  physiobern. Neue Wege seien nötig, um sich Gehör zu verschaffen, so Christen weiter. «Wir wollen
uns auch auf dem freien Markt positionieren.»


Welche neuen Perspektiven suchen Sie?

Unser Alltag ist geprägt von Bewegungen. Täglich machen wir hunderte und tausende von Bewegungen ohne dabei viel zu denken. Morgens aufstehen, den Kaffee trinken, die Computermaus über den Tisch ziehen, das Mittagessen kochen, mit dem Velo zur Schule fahren, abends im Turnverein oder in der Orchesterprobe.

Es gibt jedoch Menschen, die bei alltäglichen Bewegungen an ihre Grenzen stossen. Das Einkaufen wird zur Höchstleistung, der Weg zu den Jasskollegen unüberwindbar, das Besteigen des Lieblingsberges rückt in weite Ferne oder Schmerzen im Rücken schränken den Bewegungsradius ein. Ein unscheinbarer Sturz kann zum Knochenbruch führen und das Gehen wird vorübergehend schwierig. Probleme mit dem Herzen können die Leistungsfähigkeit einschränken, so dass Treppensteigen zur Höchstleistung wird. Eine Kopfverletzung kann zur Folge haben, dass Anziehen und Zähne putzen wieder von Grund auf erlernt werden müssen.

In diesen und vielen anderen Fällen bietet Physiotherapie neue Perspektiven! Physiotherapeutinnen sind Spezialistinnen rund um Gesundheit und Bewegung. Gemeinsam mit der Patientin finden sie heraus welche neuen Perspektiven erreicht werden sollen, welche Tätigkeiten und Bewegungsabläufe Probleme bereiten und verbessert werden können und sollen. Physiotherapie bringt dort neue Perspektiven wo der Blick nur noch auf die eigenen Einschränkungen gerichtet ist.

Um die Probleme und Beschwerden anzugehen stehen der Physiotherapeutin verschiedenste Möglichkeiten zur Verfügung: gezielte Anleitung von Übungen, einzelne Gelenke beweglicher machen oder bestimmte Muskeln lockern. Auch Trainingsgeräte werden eingesetzt und das bewährte Velo hat hier seinen festen Platz. Als Veloergometer ist es ein wichtiges Instrument für die Rehabilitation und das Training in der Physiotherapie. Und so kann das Velofahren an "Ort" neue Perspektiven für den Alltag eröffnen!

Neue Perspektiven für Radlerbeine

Daniel Siegenthaler kann wieder auf dem Velo trainieren

Ich heisse Daniel Siegenthaler und bin 36 jährig. Seit 3 Jahren ist Radfahren ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Im Winter trainiere ich dreimal pro Woche in einem Medizinischen Trainingszentrum. Sobald es draussen wärmer wird, fahre ich täglich mit meinem Rennrad. Pro Jahr lege ich ca. 4'000-5'000 km zurück.
Auch in meinen Ferien darf das Radfahren nicht fehlen. Im Sommer 2007 verbrachte ich eine Rad-sportferien in Sardinien und dort passierte etwas, das mein Leben verändern sollte: Ich war mit einer fünfköpfigen Gruppe unterwegs und es ging bereits dem Ende der Tagesetappe entgegen. Auf einer ra-santen Abfahrt mit Rückenwind, ich fuhr ca. 45km/h passierte es dann. Ich erinnere mich noch an eine Kurve, die Leitplanke und meine harte Landung in einem Dornenbusch. Im ersten Moment hatte ich kaum Schmerzen. Erst im Spital spürte ich dann, dass mit meinem Arm und dem rechten Bein etwas nicht stimmte. Am Arm hatte ich eine Fleischwunde, die genäht werden musste und mein rechter Ober-schenkel war gebrochen. Da es sich um einen offenen Bruch handelte, musste rasch operiert werden. Ich war schon etwas skeptisch, da ich mich weder mit den Ärzten noch mit dem Pflegepersonal verständigen konnte. Aber ich hatte keine Wahl. Alles verlief gut und trotzdem war ich froh, als ich nach ca. 10 Tagen wieder in die Schweiz zurückfliegen konnte.
Dort fing die Rehabilitation richtig an. Zu Beginn ging ich drei- oder sogar viermal pro Woche in die Physiotherapie. Dadurch, dass auch der Muskel verletzt worden war, konnte ich mein Knie kaum biegen. Mein Ziel war es, das Knie möglichst rasch wieder so weit biegen zu können, damit ich wieder Velo fahren konnte. Täglich übte ich mit grosser Disziplin. Mir war bewusst, dass dreimal eine halbe Stunde Physiotherapie wertvoll ist, aber dass ich in der restlichen Zeit des Tages selber viel dazu beitragen konnte, damit es mir rasch wieder besser ging. Mit jedem Grad mehr Beweglichkeit kam ich meinem Ziel etwas näher.
Als ich dann nach etwa einem Monat endlich auf dem Fahrrad in der Physiotherapie sass, eröffneten sich mir neue Perspektiven. Meine Ängste, dass ich nie wieder Sport machen könnte und dass ich mein Bein nie mehr normal bewegen könnte, waren wie weggeblasen. Von diesem Zeitpunkt an war ich noch motivierter. Die Physiotherapeuten arbeiteten weiter an der Beweglichkeit und zeigten mir laufend neue Übungen, die ich zu Hause machen konnte. Später begann ich mit dem Krafttraining und sah immer mehr Fortschritte. Heute, etwas ein halbes Jahr nach meinem Unfall, bin ich fast noch fitter als vorher. Letzte Woche bin ich zum ersten Mal wieder Ski gefahren. Ich hatte keine Schmerzen und konnte problemlos die Piste runterflitzen. Ich bin glücklich darüber, dass ich alle meine Hobbies wieder machen kann und freue mich bereits darauf, dass es wärmer wird und ich draussen wieder durch die Landschaft radeln kann.

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Neue Perspektiven für einen Tetraplegiker

Neue Perspektiven ...

Tetraplegiker im Kopfstand

Mein Physiotherapeut ist besonders einfallsreich. So scheut er auch nicht davor zurück einen Kopfstand mit einem Tetraplegiker zu vollführen! Selbstverständlich mit dem überwiegenden Einverständnis meinerseits und nur zu meinem Wohle.
Unter anderem liegt die Problematik einer hohen Querschnittslähmung in einer auf ca. 20% des Normalvolumens reduzierten Atmung und einer extrem eingeschränkten  Bewegungsfreiheit. So besteht meine Körperhaltung zu 99% aus sitzen oder auf dem Rücken liegen.
Sei es der "Verdauungsspaziergang" oder das Durchlüften der Lungenflügel: diese Aufgabe übernimmt mein Therapeut mit diversen möglichen und unmöglichen Lagerungen kopfüber auf einem Stehbett. Dadurch werden Organe, Muskeln, der Kreislauf und oft genug sogar das Gehirn in einer Weise angeregt und durchgeschüttelt, die mir sonst verwehrt bliebe. Nicht zu vergessen die belebende Wirkung von Adrenalin in besonders heiklen Situationen.
Alles in allem muss ich gestehen, dass die unkonventionelle Behandlungsmethode meines Therapeuten, nicht unwesentlich zu meinem guten Gesundheitszustand beiträgt, und ich ihm sehr dankbar bin!

Lukas Theiler, Rollstuhlfahrer seit 1987

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Neue Perspektiven für den Rücken

Reinhold Karl zusammen mit seiner Tochter nach einem erfolgreichem Wettkampf

Seit Jahren habe ich Rückenschmerzen. Früher ging ich zu einem Masseur und liess mich durchkneten. Seit ich in der Klinik Linde als Küchenchef arbeite und Kontakt zu den Physiotherapeuten habe, gehe ich nun nicht mehr zum "Kneter", sondern lasse mich in der Physiotherapie behandeln. So fühle ich mich besser beraten - es wird nicht nur das Übel bekämpft, sondern die Ursache der Schmerzen eruiert und ich bekomme wichtige Tipps, wie ich mich im Alltag vorbeugend verhalten kann.

Als Ausgleich zu meinem Berufsleben treibe ich gerne und intensiv Sport, wo ich nun auch gezielte Dehn- und Kraftübungen einbaue. Ich schätze es, wie ich durch die Physiotherapie zur Selbstverantwortung ermuntert werde. Diese bewusste Verhalten meinem Körper gegenüber zeigt Wirkung: ich fühle mich rundum besser. Auch in Zukunft werde ich auf eigene Rechnung die Physiotherapie besuchen, das ist mir mein Geld wert. So habe ich das Gefühl, einen wesentlichen Beitrag zu meiner Gesundheitserhaltung, für Körper und Geist, zu leisten.

Reinhold Karl, eidg. dipl. Küchenchef, Klinik Linde Biel
Mitglied der Kochnationalmannschaft 2001 bis 2003

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Neue Perspektiven bei Erschöpfung

Neue Perspektiven für Frau Heri

Mein Name ist Sonja Heri*, ich bin 55-jährig und arbeite in der Finanzberatung. Ich bin eine hilfsbereite Frau, die gerne für andere da ist, zum Beispiel für meine schwerstbehinderte Schwester. Als unsere Mutter, die an Multipler Sklerose leidet, zusätzlich noch an Blasenkrebs erkrankte, stiess ich an meine körperlichen- und psychischen Grenzen. Mutter musste operiert werden und ich versprach ihr, dass sie danach wieder nach Hause zurückkehren könne. Weil dies nach der Operation nicht mehr möglich war zerriss es mich innerlich fast. Einige Monate später starb meine Mutter. Während der Vorbereitungen für die Beerdigung musste meine Schwester ins Spital und dies war der Moment, in dem ich zusammengebrochen bin. Alles wurde mir zuviel.

Ich litt an einer schweren Erschöpfungsdepression. Trotz Medikamenten und psychiatrischer Behandlung hatte ich keine Energie mehr. Ich konnte nichts mehr machen und litt unter massiven Schmerzen. Es war schrecklich, ich hätte nur noch schreien können. An schlimmen Tagen konnte ich wegen der Schmerzen nicht mehr gehen. Sogar das Abreissen des Toilettenpapiers wurde zum Kraftakt. Weil die Schmerzen mit Medikamenten nicht besserten, wurde ich in die Physiotherapie geschickt.
Ich erzählte dem Physiotherapeuten meine Geschichte und er hat mich gründlich untersucht. Er meinte, ich sei wie ein verrosteter Ferrari, der wieder bewegt und gepflegt werden müsse. Zuerst zeigte er mir Übungen mit einem Gummiband, die ich zu Hause machen konnte und bald fühlte ich mich besser. Später begleitete er mich beim Training im medizinischen Trainingszentrum. Nun ging es aufwärts und ich hatte zunehmend mehr Kraft, mehr Energie und auch wieder Vertrauen in mich selbst.

Seit mehreren Monaten trainiere ich nun selbstständig und habe grosse Freude an meinen Fortschritten. Die Therapie hat mir neue Perspektiven gezeigt. Ich kann mich heute wieder um andere Menschen kümmern und nehme aktiv am Leben teil. Kürzlich war ich sogar auf einer zweitägigen Wanderung in den Bergen und habe draussen übernachtet. Davon hätte ich vor einem halben Jahr nicht einmal zu träumen gewagt.
*Name geändert

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